SCHON WIEDER Weihnachten!

Liebe Freunde des Buschtaxis!
Traditionell beginnt jegliche Ansprache im Buschtaxi mit einer völlig sinnfreien Bemerkung übers Wetter (sinnfrei deshalb, weil das hier weltweit gelesen wird und das Wetter in aller Regel ja doch weniger global als vielmehr lokal geprägt ist...). Nun, da wir kurz vor der heiligen Nacht stehen, kann ich mit dieser Tradition unmöglich brechen, womöglich würde ich Euch damit in völlige Ungewißheit stürzen. Fassen wir also zusammen: Vor dem netzmeisterlichen Büro ist es derzeit taghell, eiskalt und knochentrocken (und kurz vor dem "White Out"). Was hier am Rande der badischen Toskana angesichts der Jahreszeit nicht wirklich überraschend ist.
Wie auch immer: Heute ist also Heiligabend. Allerorten wird eifrig darüber berichtet. Und als wäre es ein Kapitalverbrechen, diese kleine, für viele Menschen so wichtige Auszeit am Ende des Jahres ernst zu nehmen, hört man hier wie dort Blödeleien, Anspielungen, Entschuldigungen, Ratschläge. Ob Familienstreit, zu fettes Essen, Umtauschaktionen, Weihnachtsfeiern - alles, aber auch wirklich alles wird durchgenudelt und veralbert, unterlegt von den 20 heißesten Weihnachts-Popsongs, die kein Mensch mehr hören will und trotzdem jeder vorgesetzt bekommt. Schlußendlich dreht sich das ganze offensichtlich nur noch darum, was man diesem oder jenem schenkt oder selbst geschenkt bekommt - und wie irre sucht mancher immer wieder krampfhaft Geschenke für Menschen, die er das ganze Jahr über stetig vergessen hat und bei denen er schon lange nicht mehr weiß was er schenken soll.
Aber Hauptsache, es ist was geschenkt. Ist schließlich Weihnachten.
Und zwischendrin immer wieder jene, die aus Protest gegen den Weihnachtshype nicht müde werden zu betonen, wie egal ihnen das alles ist.
Ist das nicht unendlich schade?
Weihnachten ist Streß, weil wir es dazu machen. Und wir laufen dabei Gefahr, daß wir uns diese kleine Pause sauber verderben. Vor lauter Drang, die Feiertage zu etwas besonderem zu machen, geht dieses Besondere dabei verloren. Das ist irgendwie nicht Sinn der Sache, das habe ich anders in Erinnerung.
Sinn? Was war eigentlich nochmal die Bedeutung, die hinter diesem freudig begrüßten Zwangsurlaub steckt? Sie wird uns seit Oktober tagtäglich um die Ohren gehauen: "Weihnachten, das Fest der Liebe, der Versöhnung, des Friedens, der Besinnung." Je mehr man es hört, desto weniger hört man es.
Dabei muß man noch nicht einmal den christlichen Glauben bemühen, um diese Worte zu verstehen. Man muß nicht täglich in den Bibelkreis rennen, um das Wort "Besinnung" aussprechen zu können, ohne peinlich berührt zu sein. Ganz im Gegenteil: Eben diese Fähigkeit zur Reflexion des eigenen Handelns macht aus uns erst das, was wir sind. Und das hat erst einmal überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun. Das heißt aber auch, daß "Ich glaube nicht an Weihnachten" keine Ausrede davor ist, am Jahresende ein wenig zur Ruhe zu kommen und über sich und seine Mitmenschen nachzudenken.
Sicher: Wer jeden Tag bewußt begeht, der braucht kein verordnetes Nachdenken über sich und seine Umwelt. Dennoch darf man sich ab und zu ruhig ein wenig Zeit nehmen und sich die vergangenen Monate noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Alles gute, schlechte, schöne, häßliche, saubere, dreckige, all die großen und kleinen Begebenheiten, die einem noch oder wieder durch den Kopf gehen. Und man darf seine Schlüsse daraus ziehen, eine Zwischenbilanz aufstellen: Was nehme ich mit? Was lasse ich hinter mir? Und vor allem: Wie begegne ich eigentlich meinen Mitmenschen?
Die Schlüssel zu dieser Begegnung sind Aufmerksamkeit, Respekt, Toleranz. Auch wenn das jetzt keine Neuigkeit ist, muß man es sich doch ab und zu bewußt in Erinnerung rufen...denn nur allzu schnell geht das alles im Eifer des Gefechts verloren. Und wohl nirgends bekommt man das so direkt zu spüren wie in einem so großen Forum wie dem BTF, in dem tausende von unterschiedlichsten Charakteren ungefiltert, unmittelbar und ungehemmt aufeinander losgelassen werden. Dabei wäre das Miteinander eigentlich so einfach, wenn man nur ein wenig bewußter miteinander umgehen würde.
Und so "gezwungen" die alljährliche weihnachtliche Besinnung auch sein mag - was wäre besser geeignet, um sich die Grundwerte menschlichen Miteinanders wieder mal bewußt in Erinnerung zu rufen?
SCHENKT Euren Mitmenschen Aufmerksamkeit, hört ihnen bewußt zu, geht auf sie ein, seid für sie da, respektiert sie und ihre Meinung, toleriert ihre Ansichten. Das ist das größte Geschenk, das man seinem Nächsten machen kann.
Und plötzlich ist man dem weihnachtlichen Gedanken doch wieder ganz nahe.

Ich wünsche Euch allen und Euren Lieben ein wunderschönes, gediegenes, gemütliches, besinnliches Weihnachtsfest und ein paar erholsame und sättigende Feiertage - die Wünsche zum neuen Jahr bekommt Ihr wie immer mit einem Newsletter zum Jahreswechsel. Mitsamt kleinem Rückblick, interessanten Links, Neuigkeiten und einem Ausblick auf das kommende Jahr im Buschtaxi.
Wer sich einen Urlaub abseits der heimischen Gefilde gönnt, dem wünsche ich eine gute Zeit - brecht Euch nix und bringt mir Familie, Hund und Cruiser wieder heil nach Hause!
In diesem SINNE,
Euer Netzmeister



