Alltag eines Entwicklungshelfers im Jemen
Von Frank Weithöner
[...] Nachdem ich nun nächtelang durchgeschraubt habe, läuft der Wagen nun supergut. Warscheinlich gibt es keinen tadelloseren Wagen im ganzen Jemen. Die Kleinigkeiten, wie Scheinwerfer einstellen, Radio und elekt. Scheibenheber reparieren usw. konnte ich ja bereits ohne Werkstattbücher erledigen. Bei der Vorglühelektronik hatte ich aber grosse Schwierigkeiten.Besonders verwirrend waren die vielen roten Kabel - da der Kabelbaum verändert wurde.
...ich glaub´, das rote Kabel ist es...

Dadurch sind den Jungs hier einige Verwechslungsfehler unterlaufen. Das schwierigste Problem war allerdings, dass die Vor/Nachglühelektronik nicht funktionierte. Übergangsweise hatte ich einen Handschalter eingebaut, der dieses Problem umging. Da die Elektronik nicht nur nicht ging, sondern auch nicht zu finden war, hatte ich mich bereits damit abgefunden mir eine eigene Elektronik zu bauen. Bis ich dann mal gerade zwischendurch die Zentralverriegelungselektronik reparieren wollte. Und was halte ich in der Hand: Richtig, das Vorglühmodul. Die Jemi-Nieten haben die beiden Module einfach nur vertauscht.
Zwischdurch habe ich noch zwei Wellendichtringe auswechseln lassen (ich hatte die Fehler, Ölverlust, mit Hilfe meiner "jemenitischen Grube" und den Handbüchern schnell lokalisiert). Ich fand also eine zuverlässige Werkstatt, die mir die Dichtringe auswechselten (Ersatzteile für Landcruiser sind hier kein Problem - der Jemen ist Landcruiserland). So habe ich keine 10 € bezahlt, inkl. Getriebeöl!
...jemenitische Grube..

Dann kam der Tag, wo es zum ersten Mal ein paar Tropfen regnete. Nicht, daß der Scheibenwischer nicht ging, nein überraschenderweise ging der auf Anhieb - nur das Sichtfeld schien mir etwas ungewöhnlich eingeschränkt. Da kam mir die Erleuchtung: nicht nur der Scheibenwischer ging verkehrt herum (ich habe den Kreisbogen auf der Fahrerseite), sondern der ganze Wagen ist Seitenverkehrt. Der Wagen ist ein umgebauter Rechtslenker. Deshalb habe ich also rechts den Blinkerschalter und deshalb hatte man auch den Kabelbaum verlängert. Dass der Schalthebel etwas weit entfernt war hatte ich als normal hingenommen.
Vor zwei Tagen fand ich auf meinem Rechner einige Landcruiserbilder, die machte ich als meine beiden deutschen Kolleginnen und ich uns entschlossen hatten ein Auto zu kaufen. Ich hielt in der Hauptstadt Sana´a Ausschau nach einem Wagen und schickte die Bilder per E-Mail hier nach Ibb, damit ich die Auswahl nicht alleine treffen musste. Jedenfalls waren die Fotos noch auf dem Rechner und ich schaute sie mir noch einmal an. Diesmal aber mit der Erkenntnis einen umgebauten Rechtslenker an den Scheibenwischer zu erkennen. Von den 11 Landcruisern, die ich fotografiert hatte waren 10 umgebaut. Als eingefleischter Deutscher mit TÜV-Trauma bin ich jetzt beruhigter. Offenbar alles normal hier.
Apropos TÜV natürlich haben wir den Wagen etwas höherlegen lassen. Machten hier die Blattfedernschmiede an jeder Ecke. Für übrigens etwa 40 €. Auch habe ich die Fenster mit schwarzer Sonnenschutzfolie beklebt - auch, dem TÜV zum Trotz -Fahrer und Beifahrerseite. Soweit erstmal zum Stand der Landcruiserdinge. Ich gebe die Hoffnung nicht auf in Kürze einen ausführlicheren Bericht schreiben zu können. Auch über das Fahren im Jemen, was ein Thema für sich ist. Wenn man etwas hart im Nehmen ist, kann man hier wirklich fahren wie und wo man will. Mit Grauen denke ich an die Zeit, wenn ich jemals wieder nach Deutschland kommen sollte.
Sonnige Grüsse
Frank Weithöner

Zur (wirklich schönen!) Seite von Frank:
http://www.frank-weithoener.de/




